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Gespräch mit Spain Kid, Sonntag, 13. Dezember 98






Spain Kid ist ein B-Boy. Das heisst, er tanzt nicht nur, sondern fühlt sich als Teil der Hip-Hop-Kultur. Er trifft gerne B-Boys in Zürich, Paris, Deutschland und den USA. Mit seinem Mischpult nimmt er neue Sounds auf. In einem Heft notiert er alles über Hip-Hop. Sein Traum? Einmal mit Hip-Hop Geld zu verdienen. Etwas selber erreichen, worauf er stolz sein kann. Ich treffe ihn im Jugendtreffpunkt Gundeli, wo er, wenn er nicht arbeiten muss, stundenlang mit Kollegen Breakdance trainiert.


Wie bist Du zum Breakdance gekommen?

- Durch Kollegen. Das ist schon lange her, seit fünf Jahren tanze ich ernsthaft. Es hat in einer Hip-Hop-Party in der Disco mit dem Ex-Namen Sox angefangen. Sie heisst heute Barock. Das war eine riesige Feier. Das hat mich fasziniert. Die feierten richtig.


So wie heute?

- Nein, die Jams in Basel sind nicht mehr so wie früher. Die Stimmung ist nicht so gut.


Was macht ein guter Jam aus?

- Die Musik ist gar nicht das Wichtigste. Die Leute müssen mitmachen, die Stimmung muss gut sein. Aktive Leute müssen auftreten.


So wie an Black-Tigers Birthday Jam? Das war ein guter Jam, oder?

- Ja.


Wie hast Du nun Breakdance gelernt? Wo hast du trainiert?

- Nach der Sox-Party habe ich sofort angefangen zu trainieren, am Lindenberg, da gibt es ein Jugendhaus. Dann im Jugendhaus Allschwil und hier im Gundeli.


Man braucht bestimmt lange, bis man das richtig kann, oder?

- Ja, Breakdance ist eine Mischung aus Capoeira, einem brasilianischen Tanz, Kunstturnen und eigenen Ideen. Er ist in den 70er-Jahren in der South Bronx entstanden. Das Wichtigste sind die eigenen Ideen. Man muss sich eine Technik überlegen und Moves, die sonst niemand hat, einen eigenen Style entwickeln. Man braucht Willen, viel Training, es muss vom Herzen kommen, Motivation, Denken für die eigenen Styles, Mut, Power, Selbstvertrauen, Technik das alles in einem.


Tanzt Du in einer Crew?

- Ich bin in der Rocking Shoes Crew. Da war auch Mickey Laze mit dabei. Die Crew hat sich aufgelöst, jetzt bin ich das einzige Mitglied. Mein eigener Stolz ist mir wichtig. Wenn ich auf eigene Art etwas erreichen kann.


Arbeitest Du?

- Ja, bei der BaZ, als Aushilfe, ein Temporärjob.


Wie alt bist Du?

- 21 Jahre


Was machen Deine Eltern?

- Mein Vater ist arbeitslos. Meine Mutter arbeitet im Kantonsspital in der Küche. Meine Schwester ist verheiratet und ist Serviertochter in einem Restaurant.


Deine Nationalität?

- Spanisch.


Woher kommen Deine Freunde?

- Von überall her,:Asien, Spanien, Italien, Schweiz. Hip-Hop ist für alle da, obwohl die Wurzeln in Afrika sind. Hip-Hop ist gegen Gewalt und Drogen. Hip-Hop soll Menschen helfen.


Hip-Hop im Sinne der Zulu-Nation?

- Ja. Die Zulus wollen, dass man weder raucht, kifft noch Schweinefleisch isst. Im Notfall darf man Schweinefleisch essen. Es ist eine Organisation gegen Gewalt , für das Gute.


Ist Nationalität ein Thema in der Szene?

- Wie meinst Du das?


Fragst Du Leute woher sie kommen? Ist das wichtig?

- Nein, das fragt man nur aus Höflichkeit.


Ist Breakdance ein teures Hobby?

- Hobby? Es gibt Hobby-Tänzer, es gibt Breakdancer und es gibt B-Boys. Hobby Breaker tanzen nur zum Plausch, wenn sie gerade Lust haben. Breakdancer machen 100 Prozent Breakdance. B-Boys sind hauptsächlich Breakdancer, aber interessieren sich noch für andere Teile der Hip-Hop-Kultur. Heutzutage werden alle Breakers B-Boys genannt. Tanzen ist für mich ein Job und kein Hobby.


Du siehst Dich als B-Boy?

- Ja, ich interessiere mich für alles, was mit Hip-Hop zu tun hat. Ich sammele Platten, nehme neue Sounds auf und so weiter.


Hast Du ein Mischpult?

- Ich habe zwei Plattenspieler und ein Mischpult.


Was kostet denn so ein Mischpult?

- 400 bis 600 Franken mindestens.


Was ist Hip-Hop? Was fällt Dir zu Hip-Hop ein?

- Hip-Hop ist ein Leben. Hip-Hop ist eine wichtige, interessante, spannende und wertvolle Kunst-Kultur. Zum Hip-Hop gehört das Sprayen. In Basel gibt es sehr viele gute Sprayer. Dann das Rappen, MCing. Das ist fantastisch. Sie rappen über viele wichtige Themen: über arme Leute oder Hip-Hop selbst zum Beispiel. Zum Hip-Hop gehören dann noch die DJs und das Breakdance.


Wer ist ein Hip-Hopper?

- Hip-Hopper ist eigentlich ein Medienausdruck. Es gibt Real und normale Hip-Hopper. Real Hip-Hopper nehmen die Hip-Hop-Kultur ernst und arbeiten kreativ mit. Wichtig ist, dass man aktiv ist, egal ob man gut oder schlecht ist. Die normalen Hip-Hopper mögen Hip-Hop hautsächlich wegen der Musik, sind aber nicht aktiv.

Auf die Bemerkung eines Kollegen, nur die Aktiven seien Hip-Hopper, da Hip-Hop für die anderen nur Mode sei, entgegnet Spain Kid:

- Das soll jeder für sich klären. Man sollte diese Leute trotzdem respektieren.


Reden wir kurz über die Stadt Basel. Wo geht Ihr hin? Was macht Ihr in der Stadt?

Kollege:

- Überall hin, wo nicht Techno oder House läuft.

Spain Kid:

- Die Musik sollte man aber trotzdem respektieren. Alles ist eine Familie. Hip-Hop ist aus anderen Musikarten entstanden: Jazz, Soul, Funk etc.


Was vermisst Du in Basel? Gibt es genug für Jugendliche?

- Ja, es gibt den Jugendtreffpunkt Gundeli. Ich reise gerne und trainiere mit B-Boys aus anderen Städten und Ländern. Aus Zürich, Paris, USA und Deutschland etc. Sonst gehe ich mit Kollegen etwas trinken, an kleine Parties.


Lebst Du denn gerne hier?

- Ich bin zufrieden, auch wenn ich Basel manchmal langweilig finde. Ich weiss nicht, was ich ohne Hip-Hop sonst machen würde.


Was machst Du sonst in Deiner Freizeit?

- Ich trainiere. Wenn es offen ist und ich nicht arbeiten muss, trainiere ich immer hier.


Wer ist Dein Vorbild?

- Storm. Er ist total gut und auch nett. Ein vorbildlicher Tänzer.


Er ist ja für viele Breakdancer Vorbild. Wie gut kennst Du ihn?

- Nicht sehr gut, aber er war schon mal hier.


Es hat nur wenige Frauen in der Szene ...

- In Basel, ja, aber in den USA gibt es sehr viele gute Frauen. Sogar bei der Battle of the Year (in Deutschland) waren einige Frauen. Es freut mich, wenn Frauen mitmachen. Sie können es nämlich auch. Ich trainiere viel mit Mickey Laze zusammen. Sie ist das einzige richtige B-Girl in Basel. Sie macht viel und nimmt Hip-Hop wirklich ernst.


PS: Aus Victors Heft

- Warum tanze ich?

- Um die Hip-Hop-Kultur zu ehren. Mich fasziniert dieser Tanz, macht Spass. So halte ich mich auch von verschiedenen Drogen fern. Beim Tanzen wird es mir nie langweilig.


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