Politiker schlimmer als Ausländer

Quick Response zeigt, wie Medien Fakten verdrehen

Wir haben es schon oft gehört: Ausländer machen Wohnquartiere unattraktiv. Wegen ihnen verlassen laut einem gross aufgemachten Zeitungsbericht immer mehr Leute die Stadt Malmö. Der schwedische Pressedienst Quick Response hat nachrecherchiert und ist zu einem ganz anderen Resultat gekommen.

Screenshot von der Quick Response Webseite aus dem Jahr 2001

Schüren Medien Ausländerfeindlichkeit? Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Meinungen hauptsächlich über die Medien, also anhand Informationen aus zweiter Hand, bilden. Quick Response begleitet Ausländerberichterstattung kritisch, hinterfragt Interpretationen und deckt regelmässig Schlamperien oder mutwilige Manipulationen im Tagesjournalismus auf.

Die Zeitung “Sydsvenskan” basierte ihre Behauptung auf einer Befragung der Stadtverwaltung in Malmö, die herausfinden wollte, weshalb so viele Leute aus Malmö ziehen. Soweit sogut. Doch auf dem zweiten Blick zeigte sich folgendes: Von 3700 Ausgezogenen hatten 2300 den Fragebogen ausgefüllt. 686 hatten ihre Angaben näher kommentiert. Die Zeitungsmacher haben nur die Kommentare gelesen und selbstdefinierten Kategorieren zugeordnet. Die Kategorien “Ausländer” und “Wohnverhältnisse” bekamen ihrer Auswertung zufolge am meisten Stimmen – jeweils knapp über 100.

Quick Response hat sich dieselbe Arbeit gemacht. Und fand heraus, dass es sehr schwierig ist und an Willkür grenzt, die oft vage formulierten Aussagen bestimmten Kategorien zuzuordnen. Welche Kategorien wählt man überhaupt? Quick Response bemerkte, dass man die Kommentare gut nach anderen Kategorien sortieren kann. Ihnen fiel auf, dass sich die meisten Aussagen in der Kategorie “Unzufriedenheit mit Kommunalpolitikern und kommunalen Diensten” sammeln liessen. Zu diesem Schluss kam die Analyse der Kommunalverwaltung selbst. 205 Personen klagten über den Service des Sozialamtes, mangelnde Kinderfreundlichkeit der Stadt, mangelnde Reinhaltung, falsche Prioritätensetzung in der Kommunalpolitik. “Unzufriedenheit mit der Arbeit der Kommunalverwaltung kann der Hauptgrund des Wegzugs derer sein, die einen Kommentar hinterliessen, gefolgt von Wohnverhältnissen. Ausländer als Grund haben weit weniger Leute aufgeführt”, so Quick Response.

Unabhängig davon, so die Kritik von Quick Response entbehre dem Artikel jegliche sachliche Grundlage. Von der 260 000 Einwohner-Stadt Malmø zogen 3700 Haushalte im Jahr 2000 fort. “Alle bekamen einen Fragebogen, 2300 antworteten und nur knapp über 100 erwähnten Ausländer. Daraus machte die Zeitung die Schlagzeile: “Malmöer ziehen wegen den Ausländern aus der Stadt.”

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First published: February 2, 2002

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